Todesfalle Kreisverkehr

Wir müssen vor uns selbst geschützt werden

Kraichgauer. Die liebenswerten Sackheim-Beutlins Baden-Württembergs sind internationale Spitzenreiter in der Disziplin “Verbissen am Bewährten festhalten”. Unsere Fortbewegungsmittel tragen die Embleme von Fendt, John Deere, Agria, Herkules oder Kreidler, unsere Frauen färben sich einzelne Haarsträhnen pink, unsere Kinder tragen die Namen der Protagonisten aus 90er Jahren US-Blockbustern und keiner von uns ahnt, dass Handys schneller als mit Edge ins Internet können.

Unsere Fähigkeiten sind fast grenzenlos. Wir können fremde Katzen fotografieren und auf Facebook nachfragen, wem diese gehören… Wir können uns über langsame Traktoren auf der Straße aufregen, obwohl fast jeder von uns mit einem Landwirt verschwägert, verheiratet oder befreundet ist… und niemand kann so verbissen und abweisend dreinschauen, wenn er am Sonntag mit seiner Perle das E-Bike ausführt.

Was wir aber nicht können, ist uns kurzfristig auf neue Begebenheiten einstellen. Wenn aus einer geraden Straße, plötzlich eine runde wird, überfordert uns das heillos und führt instantan zum Chaos. Mit diesem neuen, heißen Scheiß – dem sogenannten Kreisverkehr – können únd wollen wir uns nicht arrangieren. Dieses Teufelsding, erst kürzlich anno 1899 erfunden, bringt uns an unsere Grenzen und weit darüber hinaus.

Taucht vor uns plötzlich ein Kreisverkehr auf, schießen uns tausend Fragen durch den Kopf, die zu Panik, Lähmung, Schockstarre und Verderbnis führen: Fahre ich rechts oder links um den Kreis herum? Geht nicht auch mittendurch? Wer hat Vorfahrt – der, der hineinfährt oder der, der hinaus fährt? Muss ich blinken? Darf ich im Kreisverkehr die Augen schließen? Ist das Parken hier erlaubt? Wieviele Runden schaffe ich, bevor ich ins Cockpit reihere?

Eins scheint bereits jetzt völlig klar, wir müssen hier vor uns selbst beschützt werden. Kreisverkehre müssen an uns Trottel angepasst werden, nicht andersherum. So regelt z.b. derzeit eine Ampel den Verkehr im neuen Kraichtaler Kreisverkehr, schließlich kann man nicht erwarten, dass wir ohne korrekte Beschilderung die Funktionsweise dieses Teufelskreises durchschauen. Trauriger Fakt ist: Wir blicken es tatsächlich nicht, derzeit biegen fast alle Autofahrer aus welchem Grund auch immer nach links in das runde Monstrum ab. Völlig verständlich ist auch die Ansage, dass besagte Ampel nach Feierabend der Kreisel-Arbeiter weiterlaufen muss. Zur Begründung ist hier zu lesen: “Dies ist notwendig, da gerade auch in der vergangenen Woche vermehrt Verkehrsverstöße festgestellt wurden, darunter dutzendfach das Überfahren von Rotlicht.”. Das Ignorieren der Ampel, macht also eine Ampel nötig – logisch!

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass wir in Sachen Kreisverkehr vor uns selbst geschützt werden müssen. Schon vor zehn Jahren musste die Gemeinde Bad Schönborn die schönen Flaggenmasten auf ihrem Kreisverkehr in Langenbrücken wieder entfernen, denn diese waren schlicht zu dick und zu massiv. So dick und massiv, dass Autofahrer, die anstatt um den Kreisverkehr herum, mitten hindurch brettern, sich dabei hätten verletzen können. Klar. Hoffentlich widmen sich die Verkehrsplaner niemals diesen hölzernen Dingern am Straßenrand, die mit den grünen Blättern oben… Wenn ein Autofahrer nun spontan beschließt anstatt geradeaus auf der Straße, das Steuer nach links oder rechts zu reißen, um mitten in die Walachei zu düsen, sollte schließlich nichts, aber auch gar nichts, seinen wilden Ritt behindern.

Uns Dorfdeppen und Landeiern scheint man diesbezüglich einfach nicht über den Weg zu trauen, vielleicht auch nicht ganz unberechtigt. Die Städter hingegen sind im Vergleich zu uns, die Leuchtfeuer der Nation, die intellektuelle Elite, die mindestens drei Evolutionsstufen über uns angesiedelt ist. Diesen traut man Kreisverkehre zu, die so kompliziert sind, dass man über ein abgeschlossenes Hochschulstudium verfügen muss, um sie zu passieren. Der Karlsruher Oststadtkreisel beispielsweise, mit seinen 27 Spuren, 250 Ausfahrten, querenden Starßenbahnen, Bussen und der tangierenden Flugzeuglandebahn, darf als badisches Bermudadreieck einfach weiterlaufen wie immer.

Hoffentlich verirrt sich niemals ein strunzdummer Kraichgauer dort hinein, das folgende Chaos würde ansonsten todsicher zeitnah von Roland Emmerich verfilmt werden.