Und kost‘ Benzin auch drei Mark zehn…

…scheißegal, es wird schon gehen. (der weise Markus vor genau 40 Jahren)

Schwups sitzt die große weite Welt plötzlich auf deinem Schoß

Kinners, was für ein Morgen. Ich fahre mit meinem alten Opel Ascona – liebevoll Tante Käthe genannt – an die Tanke, drücke meiner algengrünen Schönheit den Zapfhahn in die Flanke und während der Zähler rasselt und das kleine Schaufelrad im “Blasenfrei-Tanken-Schausglas” rotiert werfe ich beiläufig einen Blick auf die Preistafel, die mit infernalisch rotem Leuchten vor mir aufragt. Schieße ich da tatsächlich meinem alten Bock Diesel in die Eingeweide, der sich preislich problemlos auf Augenhöhe mit meinem Rotwein auf der Rückbank messen kann? Jo, abso-verdammtescheiße-lut. Zwozwanzich für den Liter Diesel – das ist sogar mehr als einneunundneunzig für den Liter “LaSchlonze Rouge” für meinen autoerotischen Dienstagabend. Kurz bevor der Tank halbvoll ist und damit monetär Käthes Restwert überschreitet, breche ich ab, nehme eine Hypothek auf die Wohnung auf und schiebe die Scheine unter dem neuerdings durch ein Stahlblech mit Schlitz verstärkten Corona-Plexiglas an der Kasse durch.

Ehrlich Freunde, mein Tag ist gelaufen. Was bildet sich diese verdammte Welt, deren Vorteile wir radikal für uns in Anspruch nehmen eigentlich ein, uns nun auch mit daraus resultierende Nachteilen zu konfrontieren? Dabei ist doch nehmen bekanntlich seliger als geben? Habe ich denn etwa keinen Anspruch darauf einen 10er Pack T-Shirts beim Textildiscounter in der Einkaufspassage für 75 Cent zu erwerben, ohne dass ich mich mit den 10-jährigen Knaben in Bangladesch auseinandersetzen muss, die fürs Zusammentackern der Hemden drei Cent pro Tag erhalten? Kann ich mir denn nicht jeden Abend meinen Sechserpack Nackensteaks für 2,50 € ins Fressloch werfen, ohne mir Gedanken über Regenwaldabholzung und Antibiotikaresistenzen zu machen? Kann ich mir denn nicht zu jeder EM und WM eine neue Glotze rauslassen, ohne dass mich die Kinder in Ghana jucken, die auf den Gebirgszügen der Elektroschrottmüllhalden arbeiten müssen? Bisher war das doch alles immer so schön weit weg, die Knöpfe die wir hier gedrückt haben, haben Lampen in Timbuktu oder JWD aufleuchten lassen – alles easy, oder etwa nicht? Vorteile importieren, Nachteile exportieren, das ist doch the good old European way of life…

Mal ganz im Ernst, meine Schwestern und Brüdaz. Wir können nicht länger so tun, als wäre unsere kleine Wohlstandsblase ein selbsterhaltendes System, das sich ständig aus sich selbst heraus erneuert. Wir alle wollten die große komplexe, verschachtelte und kompliziert verdrahtete Welt, haben alle ihre Vorteile genossen. Nun müssen wir auch damit leben, dass wir ein integraler und von ihr abhängiger Teil sind. Das es uns all die Jahre derart gut gegangen ist, war nur möglich, weil es anderen hundsmiserabel ging. Während Wenige das Viele nahmen, mussten sich die Vielen mit dem Wenigen abmühen. Wie es scheint, rächt sich dieser Missstand nun immer mehr.

Die letzten Jahre haben gezeigt, wohin der Weg führt. Ein Virus vom anderen Ende der Welt findet den Weg über den gesamten Planeten, den Müll den wir exportieren, verspeisen wir kleingeraspelt in unseren Fischstäbchen, die Abgase die wir in die Atmosphäre blasen erzeugen Stürme, Hochwasser und Dürren und das Benzin, das wir in unsere Tankstutzen jagen entstammt Quellen, die im wesentlichen in der Hand von Diktatoren, Autokraten und anderen zwielichtigen Machthabern stehen. Wir alle wissen das und wir alle wussten das, getan haben wir aber verdammt wenig dagegen. Damit meine ich nicht den armen Pendler, den Busunternehmer, den Taxifahrer oder den Handwerker, der wegen der stark gestiegenen Preise an der Zapfsäule gerade Angst um die eigene Existenz hat, sondern uns alle als Gesellschaft. Wir wissen seit Jahrzehnten dass fossile Brennstoffe endlich sind und wir wissen aus welchen Quellen wir sie beziehen. Die Politik hat dabei unfassbar viel verschlafen und sich von Lobbyisten immer wieder an der Nase herumführen lassen. Doch auch wir haben aus Kurzsichtigkeit den Arsch nicht von der Bank bekommen, zum Beispiel um jedes verdammte Windrad gezankt, als wären die Dinger die Pusteblumen das Satans.

Mir ist klar, dass ich hier gerade versuche eine extrem komplexe Situationen, extrem vereinfacht darzustellen, sehts mir nach Freunde, für ein 500-seitiges Essay ist das hier nicht der richtige Ort. Um was es mir geht: Von nix kommt nix. Unsere schöne blau-graue Kugel steht gerade an einem echten Scheideweg. Es geht darum wie wir morgen leben wollen und zwar in vielerlei Hinsicht. Als freie Menschen in einer Demokratie oder als stumme Masse unter der strengen Fuchtel des Autokraten? In einer intakten Umwelt oder in Gaga-Hausen mit wöchentlichem Unwetter-Bingo… In einer Gesellschaft die blutig um schwindende Rohstoffe kämpft oder in einer die mutig auf Nachhaltigkeit setzt, auch wenn das erstmal unbequem wird?

In jedem Fall müssen wir uns zusammenraufen Freunde und ein paar Grundwerte definieren, die uns lieb und teuer sind. Vielleicht Döner am Donnerstag und Tatort am Sonntag….oder aber auch Frieden und Freiheit. Das mag zwar abgelutscht klingen, ist aber Anfang und Ende von allem. Ich fänds ganz dufte zu erleben, dass meine Kinder in einer friedlichen und freien Welt aufwachsen und nehme es deswegen mit gesträubten Arschhaaren hin, dass es an der Tanke doppelt oder dreifach so teuer wird, das es im Winter zu Hause eine Weile lang nicht mehr ganz so mollig warm wird. Ich will das nicht einfach so dahin sagen Freunde, ich weiß dass diese Scheiße manche von euch sehr viel härter treffen wird, als andere. Richtig bitter wird das für alle, die sowieso schon wenig haben. Das ist himmelschreiend unfair – da müssen wir uns nichts vormachen. Wenn aber das zunächst der Preis dafür ist, das die Heimat nicht im Trümmern versinkt, kein Autokrat sein Spinnennetz um den Rest der Welt webt, dann zahle zumindest ich ihn gerne. Ach wobei, nee, nicht gerne…aber ich mach’s trotzdem. Und wer weiß, vielleicht stößt diese unhaltbare Situation nun endlich einmal Prozesse an, die wir bislang aus Bequemlichkeit, aus Faulheit oder aus gefühlt mangelnder Notwendigkeit heraus vernachlässigt haben. Ihr wisst schon, die Sache mit den Zitronen und der Limonade…

So, das muss erstmal langen. An alle die diesem ungewohnt ernsten und nur minimal-zynischen Tommy etwas abgewinnen konnten: Danke fürs Zuhören. An alle anderen: Feuer frei. Das Facebook-Lachsmiley steht zu eurer freien Verfügung und hier schon mal ein paar Textbausteine, als “copy and paste” – Service: – Danke Olaf – Die Grünen sind an allem schuld – Nichts hat mit nichts etwas zu tun – Früher war alles besser – Das ist doch nur eine Sondermilitäroperation – pick’n choose Amigos.